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Text Interview PÄR SUNDSTRÖM / SABATON Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Interview mit Sabaton- Basser und Songwriter Pär Sundström

Vor dem Gig konnte bleedingnose.de ein Interview mit einer der aufstrebendsten Metalbands der Gegenwart für Euch möglich machen. Wir bedanken uns hierfür ganz herzlich bei Volker von Swordbrothers Productions, dem Tourmanager der Band.
Pär war etwas gelangweilt aufgrund der langen Wartezeit bis zum Auftritt. Schnell taute er aber bei einem leckeren Bierchen auf und stand uns ausführlich Rede und Antwort:

BN: Hi Pär, schön, dass Du Dir Zeit für ein Interview mit bleedingsnose.de nimmst. Erstmal Glückwünsche zum Erfolg mit dem neuen Album. Was denkst über den Prozess der letzten zwei Jahre, von einer Support-Tour mit Edguy von 2006 mit den ersten internationalen Auftritten, bis zu umjubelten Gigs bei den größten Metalfestivals Europas wie Sweden Rock und W.O.A.?

Pär: Nun, das war schon eine lange Reise die uns dorthin führte und die tatsächlich 10 Jahre dauerte. Allerdings erst mit dem Album Primo Vicoria von 2005 konnten wir uns ausserhalb Schwedens einen Namen machen. Und das war der Punkt als es international mit der Edguy-Tour richtig für uns losging. Wir haben uns den jetzigen Status verdient, denn wir haben getourt, getourt und noch mal getourt. Wir waren sicher eine der am härtesten tourenden Metalacts in Europa. Wir sind bis heute nur bei einem kleinen Label und haben nie wirklich Promotion oder großartigen Vertrieb bekommen. So war die einzige Chance uns wirklich bei den Fans bekannt zu machen, Shows ohne Ende zu spielen und so zu wachsen. Wenn wir nur daheim sitzen und darauf warten, dass unser Label uns promoted, kommen wir nicht weiter. So gehen wir als Band Schritt für Schritt selbst und können unsere Entwicklung maßgeblich selbst bestimmen und haben immer selbst die Kontrolle über alle Prozesse bei Sabaton gehabt.

BN: Das ist vielleicht auch gleichzeitig der Vorteil bei einem kleinen Label zu sein?

Pär: Ja, schon. Aber auf der anderen Seite ist es nicht schön, kaum Support zu haben. Es ist bis heute schwierig Sabaton-Alben ausserhalb Schwedens oder Deutschlands bei einem Plattendealer zu kaufen. Und das ist ein bisschen traurig für uns und für die potentiellen Sabaton-Fans da draussen. Wir fühlen, dass wir mit unserem letzten Album genau das Ding gemacht haben, dass wir zum großen Durchbruch gebraucht haben. Und es bekommt nicht die Unterstützung oder Aufmerksamkeit, welches ihm zustehen würde.

BN: Wenn man vom Metal-Underground kommt, wie fühlt man sich da plötzlich in Wacken auf der riesigen Bühne zu stehen?

Pär: Wir haben unsere Underground-Fanbase selbst gebildet, wo wir sehr stolz drauf sind. Unsere Fans haben uns in den kleinsten Clubs unterstützt und sind jetzt auf den größten Festivals mit uns. Ohne diesen harten Kern wären wir nie dahin gekommen, wo wir jetzt stehen. Und natürlich ist es unglaublich auf einem solchen Festival zu spielen, denn man kann viele neue Fans erreichen.

BN: Anders herum gefragt, wie fühlt Ihr Euch heute, wenn Ihr in so einem kleinen Jugendclub wie heute spielt?

Pär: Na, absolut klasse.. Denn zu einem solchen Gig kommen nur die Leute, welche die Band wirklich mögen. Während Du auf einem Festival vor vielen Leuten spielst, die eigentlich wegen anderen Bands da sind und Sabaton nicht kennen. Aber klar, so kann man wachsen und viele neue Freunde gewinnen.
Es ist interessant auf einer riesigen Bühne vor Tausenden schreienden Fans zu spielen, aber man kann nicht ihre Emotionen richtig fühlen in dieser riesigen, anonymen Masse. In einem kleinen Club wie heute das ist eine komplett andere Erfahrung, denn Du bist so nah dran an den Fans und kannst all ihre Reaktionen und Gefühle direkt miterleben. Das ist nach wie vor toll!

BN: Werdet Ihr eigentlich auf der Strasse in Schweden oder Deutschland schon von Fans erkannt und angesprochen?

Pär: Haha, nicht wirklich. So viele Fans haben wir ja noch nicht. Aber es ist noch echt nett, wenn einen Jemand wieder erkennt und anspricht. Und die Schweden sind da eh etwas reservierter, es sind ja richtige Metalfans, die fangen nicht an zu kreischen wie bei Robbie Williams oder so… haha.

BN: Wie seit Ihr auf das Billing von diesem Benefiz-Konzert gekommen?

Nun, wir spielten gestern in der Schweiz, und da lag es auf dem Weg in Richtung Norden und es hat gut reingepasst. Man muss ja auch die Reiseplanung immer so effizient wie möglich machen, um Kosten zu sparen. Wir wurden gefragt und natürlich spielen wir hier heute gerne.

BN: Kennt Ihr andere der Bands die hier heute auftreten oder habt Kontakt mit Bands der deutschen Metalszene?

Pär: Wir haben mit Boomerang schon gespielt und kennen natürlich eine Menge Underground-Bands und auch größere Acts wie Edguy oder Gammaray und sind mit vielen Bands befreundet, da wir hier sehr viele Shows gespielt haben und in fast jeder Stadt eine befreundete Combo haben. Das ist wirklich cool!

BN: Seit Ihr nach Euren Gigs eher die Party-Tiere und macht mit den Fans einen drauf oder geht eher im Nightliner pennen?

Pär: Wir haben immer Bock auf Party mit den Fans. Ich hatte nie die Chance mit den Jungs meiner Lieblingsbands einen trinken zu gehen. Und das wollte ich auf jeden Fall anders machen. O.k, manchmal bist Du müde und kannst nicht immer partymässig Vollgas geben. Das müssen die Leute verstehen, denn schließlich muss man am nächsten Tag auch noch eine gute Show abliefern. Und das wollen wir nicht aufs Spiel setzen. Aber logo, wir lieben Party!

BN: Sprechen wir über die neue CD. Sabaton und Art of war sind in aller Munde bei Fans von traditionellem Heavy Metal. Wer hatte die Idee für die Lyrics? Seid Ihr historisch an Kriegsthematik interessiert oder findet Ihr einfach nur, dass es gut zu Metal passt?

Pär: Joakim kam mit der Idee. Er hat sehr lange daran gearbeitet. Und wir haben Fans gefragt und haben wirklich hunderte Ideen für Songlyrics bekommen. Das war toll und konnten so unsere Fans sogar ins songwriting integrieren. Zu der anderen Frage: Wir interessieren uns schon für solche Themen, gehen aber natürlich nicht wie Historiker an die Sache ran. Und ausserdem passt die Dramatik rund um Kriegsthemen sehr gut zu aggressivem Metal. Wir wollen keine Fantasy-Storys erzählen sondern wahre Begebenheiten.

BN: Wie steht Ihr zu Aussagen, dass Ihr damit in gewisser Weise Krieg oder Schlachten glorifiziert?

Pär: Natürlich, die Musik und die Texte sind aggressiv. Wir wollen die Storys von einem so objektiven Gesichtspunkt wie möglich erzählen, in keinster Weise aber eine politische Aussage oder so machen. Wir sind natürlich absolut keine Fans von Kriegen oder so etwas, wir sind ja nicht bescheuert. Die Leute sollen so einen Unsinn auf keinen Fall glauben.

BN: Wenn man Euren Tourplan anschaut, weiss man eigentlich, dass Ihr Profis sein müsst. Wann seid Ihr eigentlich Profis geworden oder arbeitet ihr sonst noch?

Pär: Ehrlich gesagt, wir sind auch noch keine Vollprofis. Die meisten von uns haben noch mehr oder weniger große Jobs. Es ist noch nicht möglich, richtig von der Musik zu leben oder tolle Sachen zu kaufen. Aber wir haben die Möglichkeit das zu tun, was wir lieben. Und das ist das Wichtigste und Schönste für uns.

BN: Ihr sprecht mit Eurem Sound auch viele junge Fans an, ohne wirklich „modern zu klingen“ wie z.B. In Flames oder andere Acts, die in erster Linie bei sehr jungen Hörern beliebt sind?

Pär: Nun, das ist wirklich interessant. Joakim schreibt einfach gute Songs, welche die Kids irgendwie ansprechen. Aber seine Einflüsse sind eigentlich Bands wie Rainbow, Black Sabbath oder Deep Purple. Irgendwie kommt zusammen mit moderneren Einflüssen etwas dabei heraus, was jüngere und ältere Fans gleichermassen anspricht. Und wir sind superglücklich, dass zu unseren Shows ganze Familien kommen, da wir den Kids und ihren Mamies und Daddies oft gleichermaßen gefallen, haha.

BN: Welche Musik hörst Du eigentlich so?

Pär: Meine Lieblingsbands sind Maiden oder Guns ´Roses. Eigentlich höre ich immer Metal, aber manchmal hab ich natürlich auch die Nase voll und hör dann einfach Radio zum relaxen. Und wenn ich den ganzen Scheiss im Mainstreamradio höre, dann merke ich immer, wie geil eigentlich Metal ist, hahaha.

BN: Wie sind Eure Tourpläne, gerade auch was Südeuropa, Osteuropa oder die Staaten betrifft?

Pär: Nun, unser Schwerpunkt liegt natürlich momentan auf den Ländern, wo wir am erfolgreichsten sind, also in Deutschland und Schweden. Aber wir wollen wie jede ambitionierte Band wachsen und daher wollen wir vor allem auch mehr in Osteuropa spielen. Wir sind noch etwas limititert wie ich schon sagte, was den Vertrieb unserer Musik in anderen Teilen der Welt betrifft. Aber wir machen uns darüber Gedanken, wie wir auch den Sprung über den Teich machen können und arbeiten auch schon an gewissen Konzepten dafür. Wir müssen aber natürlich als Band, die noch bei einem kleinen Label ist, immer zuerst auf die Kostenseite schauen. D.h., dass wir nächstes Jahr sicher noch in mehr Ländern spielen werden, was vielleicht leider ein wenig zu Lasten der Shows in Deutschland gehen wird. Ich hoffe, Ihr habt dafür Verständnis, es ist ja normal dass eine Band um erfolgreich zu werden in so vielen Ländern wie möglich auftreten will. Wir sollen Sabaton überall grösser machen, ist doch logisch. Wir würden auch gerne mal in China, Indien oder Israel spielen. Da ist ein wahnsinniger Markt für Metal. Auch Südamerika. Aber es unglaublich teuer, dort zu touren.

BN: Warum kommen so viele gute und sehr gute Metalbands aus Skandinavien, von denen viele sehr erfolgreich werden?

Pär: Wir haben Glück, denn wir sind aus Schweden. Und in Schweden investiert die Regierung sehr viel Geld in den Nachwuchs im Kulturbereich. So auch im Heavy Metal. Unterricht, Instrumente, PA, Auftrittsmöglichkeiten, Proberäume, da gibt es ein sehr gutes Fördersystem. Man bekommt Geld für alles Mögliche, was junge Bands oder Musiker brauchen. Und klar, je mehr erfolgreiche Bands es gibt, desto mehr junge Musiker interessieren sich dafür und wollen auch Metal machen. So ist das quasi eine Kettenreaktion.
Der einzige Nachteil ist, dass es in Schweden in den Clubs wo jüngere Acts auftreten, keinen Alkohol gibt, haha. Deshalb kommen die älteren Fans nicht so gern in diese Clubs um jüngere Acts kennen zu lernen, denn die wollen schließlich dahin ausgehen, wo man saufen kann.

BN: Pär, wir kommen zum Ende dieses Gesprächs. Noch etwas, kennst Du sabaton.com ? (ich halte ihm einen Ausdruck von einer website unter die Nase, eine französische Firma für Maronen-Produkte)

Pär: Haha, das kannte ich nicht. Wir sollten diese Domain wohl mal kaufen.

BN: Wir bedanken uns herzlich im Namen aller Leser von bleedingnose in Stuttgart, wünschen Euch einen coolen Gig und hoffen, Euch bald wieder bei uns zu sehen.

Pär: Yeah, danke Euch auch. Genießt die Show und ich denke, wir sehen uns bald schon wieder, wenn wir im Oktober in Ludwigsburg die Rockfabrik rocken!

Das Gespräch mit Pär Sundström führte Pedro
16.09.2008 00:48 Bleeding Nose Crew ist offline E-Mail an Bleeding Nose Crew senden Homepage von Bleeding Nose Crew Beiträge von Bleeding Nose Crew suchen Nehme Bleeding Nose Crew in Deine Freundesliste auf
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